Kissing

Wappen der Gemeinde Kissing

Kissing gehörte bis in das 18. Jahrhundert dem Jesuitenorden, und wurde 1803 in das bayerische Staatswesen überführt.

In den Jahren 1937 bis 1943 gehörte die Gemeinde zu Oberbayern, bis sie dem Regierungs-bezirk Schwaben zugeteilt wurde, bestätigt durch eine Volksabstimmung im Jahr 1950.

Bekannt ist Kissing durch die berühmte Schlacht auf dem Lechfeld 955, und dem Gunzenlee, einem Hügel der zu mittelalterlicher Zeit als Gerichtsstätte und als Mittelpunkt für Heeresversammlungen diente. Aber auch durch die rätselhaften und einzigartigen unterirdischen Gänge sowie dem Bayerischen Hiasl, der Freischütz, Wilderer und Anführer einer „gerechten“ Räuberbande geboren im September 1736 als Matthias Klostermayr, noch heute als bajuwarischer Nationalheld verehrt wird und im damaligen schwäbisch-bayerischen Grenzgebiet ansässig war.

Der Ort hatte über Jahrhunderte zwischen 800 und 1000 Einwohner, ein für damalige Verhältnisse sehr großer Ort, welcher aus diesem Grund in verschiedene Ortsteile aufgegliedert war:

Das Oberdorf, das Unterdorf, das Gloch, der Büchel, der Petersberg, der Kirchberg, die Mühlgasse, die Trath. Strassenbezeichnungen, wie man sie heute kennt, gibt es erst seit 1937. Damals wurden die einzelnen Häuser zur Kennzeichnung lediglich durchnummeriert.

Eine Sonderstellung hatte dabei der Ortsteil „Schönhausen“, welcher bis Anfang des 20. Jahrhunderts noch außerhalb des eigentlichen Dorfes lag. 1844 stellten die „Schönhausener“ sogar den Antrag zur Gründung einer eigenen Gemeinde, was allerdings strikt abgelehnt wurde.

Die Straßen in Alt-Kissing waren bis in die 1960er Jahre ungeteert, eine zentrale Wasser- und Abwasserversorgung, wie man sie heute kennt, gab es nicht. Jedes Anwesen war auf Quellen und Brunnen angewiesen, und für die Abwasserableitung selbst zuständig. Die Beleuchtung durch Kerzen und Petroleumlampen wurde erst 1911 durch elektrisches Licht abgelöst.

Das Erscheinungsbild von Alt-Kissing wurde geprägt durch landwirtschaftliche Gebäude, welche alle eine einheitliche Anordnung zueinander hatten. Offizielle Namen wurden ausschließlich für amtlichen Schriftverkehr verwendet, sonst war der Hausname oder auch Hofname geläufig.

Das Dorf betrieb bis in das 20. Jahrhundert Landwirtschaft und lebte autark, heißt fast alles, was man zum Leben brauchte und zum Wirtschaften benötigt wurde, stellten die Dorfbewohner selbst her. Der Kontakt nach außen beschränkte sich dadurch auf den Besuch von Jahr- und Viehmärkten, Beurkundungen beim Notar, Beerdigungen, Hochzeiten und Kirchweihfesten.

1840 wurde die Eisenbahnlinie zwischen Augsburg und München gebaut. Trotzdem diente das Fuhrwerk der Fortbewegung oder man ging zu Fuß. Zugtickets konnte man sich nicht leisten.

Um an entfernte Orte zu kommen unternahm man Wallfahrten, u.a. nach Herrgottsruh, St. Afra, Hl. Kreuz in Augsburg oder Andechs. Gerade Mägde und Knechte unternahmen sehr gerne Wallfahrten, da diese wie Urlaub waren, und es gutes Essen, viel Bier und gute Unterhaltung gab.

Bis in das 19. /20. Jahrhundert war Altkissing eine geschlossene Einheit mit eigener Kleidung, der „Kissinger Tracht“, eigenem Dialekt, eigenem Brauchtum und eigenen „Spielregeln“ im Zusammenleben der Menschen, die Einhaltung wurde durch soziale Kontrollen überwacht.

„Kissingerisch“ wurde nur im Dorf gesprochen, geprägt vom westlichen Schwäbischen und dem östlichen Bayerischen. Der Dialekt war ein wichtiges Identifikationsmerkmal für die Einwohner. Leider wird dieser immer mehr durch die hochdeutsche Sprache abgelöst.

Das gesellschaftliche Leben der damaligen Menschen war ganz wesentlich vom Vereinsleben geprägt. Im späten 19. Jahrhundert war die Hochzeit der Vereinsgründungen: Freiwillige Feuerwehr, Veteranenverein, Raiffeisen-Verein und nicht zu vergessen die Radler, Schützen und der Gesangsverein. Nicht weniger als sechs Wirtschaften standen für Feste und Feiern zur Verfügung.

Dass die Einwohner überwiegend Katholiken waren erkennt man an den Kirchennamen: St. Stephan, St. Peter, Burgstallkapelle und die Badangerkapelle. Diese Kirchen prägen noch heute das Gesicht des Altortes.